Diese Seite drucken

Mitarbeitervertretung

"ICH GLAUBE; HILF MEINEM UNGLAUBEN!""


 

Wer sagt denn so was? Einfach krass! Der so was sagt, hat doch eine Vollpanne! Der kann mich mal. Oder muss ich erst raffen, was er mir sagen will?
„glauben“ – das ist so ein komisches Wort, kommt offenbar aus Omas Wortschatz. Na ja, ich kann ja mal googeln, was damit gemeint sein kann.

Überraschung! Ich habe da eine ganz Menge gefunden. Unlügbar! Dort steht: annehmen, vertrauen, meinen, schätzen, erwarten, dafürhalten, rechnen usw. Vertrauen, dieses Wort finde ich cool. Wenn ich mich auf meinen Freund oder meine Freundin verlassen kann, das ist edel. Wenn ich nicht misstrauisch sein muss, dann ist das für mich wie am Start sein. Aber jetzt habe ich noch das Problem mit der anderen Ansage: Hilf meinem Unglauben.
Wer soll mir helfen? Ich krieg das nicht klar. Also muss ich mir in der Bibel Durchblick verschaffen.
Markus hat da eine turbulente Geschichte aufgeschrieben. Der Junge, um den es da geht, war so was von krank! Muss schaurig gewesen sein, als die Geister ihn beim Wickel hatten. Wenn dieser Jesus nicht gekommen wäre, dann hätte es ihn wirklich voll erwischt. Aber Jesus ist danach nicht gut drauf. Statt dem Jungen zu helfen, hatten sich einige Leute zuvor nur gestritten. Ich kann mir gut vorstellen, wie Jesus deshalb aus der Haut gefahren ist und dann provoziert ihn auch noch der Vater des geheilten Jungen. Jesus ist wütend: „Was heißt hier: wenn du kannst? Wer Gott vertraut, dem ist alles möglich!“
Der Vater hat dann offenbar doch geschnallt, worum es geht. „Ich vertraue ja Gott- und kann es doch nicht. Hilf mir zu vertrauen.“
Langsam dämmert auch mir, worum es hier geht. Ich kenne das von mir selbst: Ich möchte echt sein, glaubwürdig, unverwechselbar, mein Verhalten nicht von äußeren Dingen und Meinungen anderer abhängig machen. Aber oft bleibt das ein Wunsch. Ich brauche die Stimme in mir, die mir hilft. Ich habe von Menschen gehört, dass dies möglich ist, wenn wir Gott darum bitten. Wer Gott vertraut, mit ihm rechnet, der wird Unglaubliches in seinem Leben erfahren! Und nun kapiere ich auch, was es mit dem Unglauben auf sich hat: Es ist die Verzagtheit, aus der mich nur Gott befreien kann.


Michael Worbs, Pfarrer im Ruhestand aus Pechau

 


Vorherige Seite: Arbeitsmedizinische Betreuung
Nächste Seite Zahlen und Fakten