Diese Seite drucken

Über uns

WENN DAS EIS BRICHT



Ist bei Ihnen jemand verstorben in der letzten Zeit? Bei mir schon. Ein junger Mann starb plötzlich am Arbeitsplatz. Ich kannte ihn ein wenig. Er war immer gut gelaunt. Und nun war er tot. Ich begleitete als Seelsorger den Vorgesetzten, als er der Familie die Nachricht überbrachte.

Sie waren nicht vorbereitet. Ich erlebte, wie sie von einem Moment zum anderen zusammenbrachen. Ich glaube, der Mann war der, auf den sie immer gebaut hatten. Auf wen sollten sie nun bauen?
Mir ist dieses Ereignis nachgegangen. Es hat mich sehr erschüttert, das gebe ich gerne zu. Mir wurde klar: Wir sind wie Schlittschuhläufer auf einem zugefrorenen See. Und verdrängen, wie dünn das Eis ist. Und wie kalt das Wasser, dass uns verschlucken wird, wenn das Eis bricht.
Vielleicht hat Ihnen die Zeit mit Corona deutlich gemacht, wie dünn das Eis ist. Und vielleicht können wir nun tun, was wir sonst kaum tun: miteinander darüber reden. Über die Grenze unseres Lebens.
Sie wissen, dass ich Christ bin. Ich bin überzeugt von einem barmherzigen Gott. Der Menschen aus dem eisigen Wasser ziehen kann. Und hin und wieder erlebe das sogar. Das ist eine starke Erfahrung.
Woran glauben Sie, wenn das Eis bricht? Was ist ihr Halt im Leben und im Sterben? Wir haben genug geschwiegen. Lassen Sie uns darüber reden!


Andreas Kölling, Evangelischer Militärpfarrer in Burg