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Notfallseelsorge

FREUNDLICHE REDEN


 

Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.
(Sprüche Salomos 16,24)

Heute wird zwar viel geredet, aber wenig ernsthaft gesprochen. Und wenn doch, sind es oft wenig tief gehende Gespräche. Was auch daran liegt, dass offenbar Zuhören aus der Mode kommt und viele eher von sich reden, sich darstellen müssen.

Wo viel dargestellt wird, ist viel Wettbewerb und wenig Zuhören. Das Wort selbst ist in der Krise, könnte man sagen. Das liegt am vielen Gebrauch und dem schlechteren Zuhören. Schließlich nehmen auch die normalen Kontakte zu Menschen ab.
Ich habe mich als Kind und Jugendlicher noch auf dem Weg machen müssen, um einen Freund, eine Freundin zu besuchen. Entsprechend wertvoll war die Zeit, die wir miteinander verbrachten. - Das Smartphone nimmt uns heute einen solchen Weg, wie vieles andere, ab. Durchaus ist nicht alles Unsinn, aber das Leben wird doch irgendwie "schneller", "oberflächlicher".
Schließlich: Wer an keinen Bankschalter mehr muss, weil man diese Geschäfte im Internet tätigt – wie auch viele Einkäufe –, verliert die Empfindung für fremde Menschen. Und wer die verliert, meint, sich alles leisten zu können.
Freundliche Reden sind eher eine Seltenheit geworden, fürchte ich. Dagegen wird viel gejammert, geklagt, auch geschimpft. Es dauert lange – wenn es überhaupt geschieht –, bis sich ein Mensch bei einem anderen persönlich bedankt. Wenn es aber geschieht, ist es wirklich wie Honigseim – das ist der noch nicht verarbeitete Seim, der aus den Waben fließt. Er ist schon schmackhaft und süß. Er tut der Seele gut. Freundliche Reden, weiß die Bibel, stärken das Leben an Leib und Seele. Mitunter machen sie gesünder, zumindest heiler. Was sollte uns also noch hindern an freundlichen Reden?
Man muss sie sich, wie alles Gute, vornehmen. Von selbst sind wohl die wenigsten freundlich. Selbst dann nicht, wenn sie viel Freundlichkeit erfahren. Also nehmen wir es uns vor. Und geben uns, im Namen Gottes, freundlich in diesem Sommer. Wer es übt, wird geübter. Wer sich sagt: Ich will freundlich bleiben, wird zum Geschenk für die Welt. Andere haben auch ihre Lasten, andere tragen auch Leid oder Schmerz, andere sind für mein Unglück meist nicht verantwortlich. Mit anderen Worten: Es gibt keinen Grund zur Unfreundlichkeit. Selbst dem Unfreundlichen versuche ich, freundlich zu begegnen in der Hoffnung, dass Freundlichkeit seiner Welt ein anderes Licht bringt. Und meiner Welt auch. Freundlichkeit beleuchtet die Welt. Darum kann Gott nur ein freundlicher Gott sein. Diesem freundlichen Gott seien Sie anbefohlen.

Holger Zschömitzsch , Pfarrer im Kirchenkreis Elbe-Fläming

 


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